Schönes Igelleben

im Garten – Teil 1

Ein naturnaher Garten, ökologisch bewirtschaftet mit Zugang zu weiteren Naturgärten ist ein Garant, dass sich ein Igel ansiedelt und ein schönes Leben führen kann. In einem solchen Garten gibt es verwilderte Ecken, Totholz und einheimischen Pflanzen, die Insekten anlocken. Der Igel findet hier sowohl Wohnraum, etwas zum gemütlich machen und genug Nahrung.

Wie lege ich einen naturnahen Garten an? Ein erster Schritt kann sein, in einer etwas abgelegenen Ecke einen Holzhaufen zu errichten oder dort abgeschnittenes Gartenmaterial zu schichten. Auch gibt es schöne einheimische und auch pflegeleichte Pflanzen , die heimische Insekten anziehen, was für unser Ökosystem sehr wichtig ist. Wichtig sind ungefüllte Blüten, da hier wertvoller Pollen für Bienen und Co. gut erreichbar sind. Kirschlorbeer, Thuja, Schmetterlingsflieder, Lavendel, wilder Wein, Rhodedendron und Hortensien gehören nicht dazu.

Hier finden Sie weitere Tipps zur Bepflanzung Ihres Gartens: https://www.naturadb.de/

im Garten – Teil 2

Sie möchten gerne noch mehr für die heimische Flora und Fauna tun? Wunderbar! Sie können z.B. einen Käferkeller oder eine Benjeshecke anlegen. Lassen Sie einfach ein Stück Rasenflächen wachsen, renaturieren Sie versiegelte Flächen. Richtig gute Tipps bekommt man bei https://www.naturgarten.de/ und bei deren Facebookgruppe.

Geeignete Pflanzen und Unterstützung bekommt man in der Region zum Beispiel bei https://gartenhof-becker.de/.

Und denken Sie bitte an Aus- und Eingänge in Ihrem Garten für Igel. Sie laufen jede Nacht weite Strecken und freuen sich, wenn sie leichte und sichere Durchgänge finden. Stabgitterzäune, die in den Boden ragen, waren schon häufig Todesfallen für Igel, da sie mit ihrem Kopf darin hängen bleiben und elendig verhungern oder ersticken.

Verwenden Sie keine Pestizide in Ihrem Garten. Gerade Schneckenkorn wird über die Schnecken von den Igeln aufgenommen und bedeutet fast immer den sicheren Tod!

auf dem Balkon

Auch auf Ihrem Balkon können Sie unsere Igel unterstützen. Hier sind wieder die heimischen Pflanzen ganz weit vorne, wenn es darum geht, unseren Insekten etwas Gutes zu tun, die dem Igel gut schmecken werden.

Auf der Seite https://www.naturadb.de/ finden Sie die Möglichkeit nach Standorten zu filtern und auch bei den naturgarten.de sind Sie richtig, denn ein Balkon ist ja häufig ein kleiner Garten – nur nicht ebenerdig.

öffentlicher Raum

Hier können Sie auch mithelfen, dass es unseren Stachlern so richtig gut geht.

Beispiele: Werfen Sie keinen Müll in die Natur oder sammeln Sie Müll auf. Immer wieder krabbeln Igel in Gegenstände hinein, aus denen sie nicht wieder heraus finden.

Bringen Sie kein Salz/Essig auf Bürgersteige aus. Das zerstört das Leben in diesem Bereich vollständig. Giftige Substanzen sollten sich von selbst verbieten, doch wir bekommen immer wieder vergiftete Igel.

Vielleicht sind in Parks oder Friedhöfen in Ihrer Umgebung schon Wasserstellen eingerichtet. Schauen Sie doch mal bei Ihrem nächsten Besuch nach, ob dort das Wasser aufgefüllt werden muss. Wenn es keine Wasserstellen gibt: ergreifen Sie gerne die Initiative.

im Freiland

Die ursprünglichen Umgebungen der Igel waren reich gegliederte Feldflur mit einem abwechslungsreichen Bewuchs aus Hecken, Bodendecker, Gebüsch, kleinem Gehölz mit Totholz. Heute sind dort unsere Gemüsefelder in Monokultur mit einem schmalen Blühstreifen zu finden. Insekten oder Versteckmöglichkeiten gibt es kaum, so dass unser Igel ein Kukturfolger wurde und auf uns und unsere Gärten angewiesen ist.

Die Garten- und Parkflächen in Deutschland sind so groß, dass der Igel ungefährdet leben könnte. Dafür ist der Weg zur Natur in den Gärten notwendig. Einheimische Pflanzen gibt es in großer Zahl und da sie an unsere Umgebung angepasst sind, muss man sie auch kaum pflegen. Es gibt viele Bäume und Sträucher die für Gärten sehr gut geeignet sind und dabei auch schön aussehen und wertvoll für die Tierwelt sind. Vielleicht möchten Sie es mal auf 1 oder 2 qm ausprobieren?

Schauen Sie doch mal bei https://www.naturadb.de/ oder bei https://www.naturgarten.de/ vorbei. Es gibt sehr viele Beispiele für Naturgärten, die menschliche wie tierische Bedürfnisse in Einklang bringen.


Zufüttern

Warum zufüttern

So lange wir so viele versiegelte Flächen und steinerne Gärten haben, benötigen Igel Nahrung von uns. Wir empfehlen daher die Ganzjahresfütterung.

Füttert man gar nicht oder ausschließlich saisonal, füllen sich die Igelstationen mit unterernährten Igeln. Außerdem sind die Gefahren in unseren Wohngebieten für Igel so vielfältig, dass eine Überpopulation kaum zu erwarten ist.

Es wird auch gerne behauptet, dass Igel durch das Zufüttern faul werden. Das ist aus evolutionsbiologischer Sicht Unsinn. Ein Tier, dass sich auf eine einzige Futterstelle verlässt, hat so gut wie keine Überlebenschancen. Igel haben einen unbändigen Bewegungsdrang und laufen sehr gerne, auch wenn die Nahrung direkt vor der Nase steht. Vielleicht schließt da jemand zu schnell von sich auf die Igel 😉

Was sollte zugefüttert werden?

Generell ist Katzennassfutter mit einem Fleischanteil über 60% ohne Soße oder Gelee sowie ohne Zucker und Getreide sehr gut geeignet. Das gleiche gilt für Katzentrockenfutter. Beispiele für geeignetes Katzenfutter finden Sie hier.

Viele Igel mögen auch Soldatenfliegenlarven sehr gerne und zudem haben diese einen sehr geringen Eigengeruch, so dass ungebetene Gäste fern bleiben. Mehlwürmer eignen sich eher als Snacks zur Abwechslung, da deren Calcium-Phosphor-Verhältnis nicht so gut passt.

Es darf auch gerne gekocht und gebrutzelt werden. Igel freuen sich über ungewürztes „schlonziges“ Rührei, gebratenes Hackfleisch oder auch einen gekochten Hühnerflügel.

ungebetene Gäste

Stellen Sie Futternäpfe in Ihren Garten, kommen sicher bald auch weitere Tiere, die sich über die angebotenen Happen freuen. Dann haben Sie die Wahl, ob Sie so viel anbieten, dass Alle genug abbekommen oder ob Sie doch ein paar Maßnahmen ergreifen möchten, um gezielt Tiere zu unterstützen.

Vögel, Katzen, Waschbären: Bewährt haben sich Futterhäuser mit sogenannten Labyrinth-Eingängen. Dies bedeutet, dass der Napf nicht direkt erreichbar ist, sondern das Tier erst um die Ecke biegen muss. So können die langen Pfoten von Katzen oder Waschbär nicht an das Futter gelangen. Und Vögel gehen in die geschlossenen Häuser nicht hinein.

Sehr wichtig: Bitte niemals Gift einsetzten! Vergiftete Mäuse oder Ratten werden von Nachbarskatze oder -hund gefressen oder aber auch von Igel, Marder, Greifvogel oder Fuchs. Dann sterben sie auch! Bedenken Sie bitte, wie das Gift wirkt: es verhindert die Blutgerinnung. Das bedeutet für das betroffene Tier, dass es über Tage hinweg innerlich verblutet.

ungebetene Gäste – Ratten Teil 1

Da Ratten und Mäuse häufig als Grund genannt werden, um nicht zu füttern, sind wir hier ein bisschen ausführlicher.

Die Igelfutterhäuser werden mit (besser schwereren) Rattenklappen angeboten. Diese funktionieren gut wenn sie aus schwerem Material wie z.B. Holz sind. Wenn dann doch die ein oder andere Ratte die Türen überwindet, was wirklich selten ist, verzweifeln Sie nicht: setzten Sie das Futterhaus alle 5 bis 6 Tage um ein paar Meter nach rechts oder links, je nachdem, wie es bei Ihnen passt. Das verunsichert Ratten nachhaltig und sie betreten das Häuschen nicht mehr.

Eine andere Möglichkeit ist, einen Teller auf den Futternapf zu stellen. Der Igel wird diesen hinunter schieben, für die Ratte ist das zu schwer. Ab dann haben natürlich auch die Ratten wieder Zugang zum Futter. Aber einen Versuch ist es allemal wert.

ungebetene Gäste – Ratten und Mäuse Teil 2

Sie könnten auch überlegen, eine Lebendfalle für die Ratte oben auf das Dach vom Futterhaus zu stellen. Die Ratte klettert hoch, der Igel nicht. So kann sich der Igel nicht daran verletzen. Geht Ihnen die Ratte ins Netz, können Sie diese direkt wieder frei lassen. Eine einmal gefangene Ratte, wird dort nicht wieder hinein gehen und auch ihre Artgenossen bekommen die Gefahr mit.

Als letztes bleibt noch die Möglichkeit, das Futterangebot anzupassen. Soldatenfliegenlarven sind wenig geruchsintensiv und die kleinen Nager mögen sie auch nicht sonderlich. Für die Igel sind sie eine tolle Ergänzung ihres Futterplans und kann den Unterschied zum Überleben ausmachen.

Wenn wider Erwarten alles nichts hilft, muss die Fütterung vorübergehend eingestellt werden. Häufig ziehen die Ratten nach kurzer Zeit weiter und kommen auch nicht so schnell wieder zurück. Dann kann man mit Soldatenfliegenlarven erneut beginnen.

Geeignete Futtersorten


Winterquartier/Auswilderung

Ein Igel lebt in seinem Revier: er weiß, wo er Wasser findet, wo die leckersten Käfer krabbeln, wo er suchen muss, wenn er gerne Abwechslung im Speiseplan hätte und ganz wichtig, wo er kuschelig und in Ruhe schlafen kann. Dafür baut sich der Igel mehrere Nester in seinem Revier und schläft abwechselnd in ihnen. Er kennt die Wege, die möglichen Gefahren, wo er durchkommt und wo nicht.

Ein Igel, der in eine fremde Umgebung kommt, weiß dies Alles nicht und er bräuchte viel Zeit, um sich das Wissen selber anzueignen. Also helfen wir ihm.

Wir wildern meistens im sogenannten „soft release“ Verfahren aus, dies bedeutet, dass der Igel schrittweise in die Freiheit entlassen wird. Im ersten Schritt wird für den Igel ein Gehege aufgebaut. Es sollte 2m x 1m groß sein, größer ist natürlich schöner. Das Gehege sollte plan auf dem Boden stehen und mit Erdankern fixiert werden, damit der kleine Stachler nicht darunter durch schlüpfen kann. Am Besten legt man innen an den Wänden entlang Steine, um ein Ausbuddeln zu verhindern. Denn, wenn die Freiheit ruft, werden die Igel schon ziemlich energisch. Wer will es ihnen verdenken?!

Zum Schutz vor Feinden (z.B. Eulen) ist es gut, einen Deckel auf dem Gehege zu haben. Zusätzlich sollte ein Bereich mit einer Plane abgedeckt werden. In diesen geschützten Bereich stellt man das Schlafhaus und dort kann man Futter und Wasser hinstelle. Da der Igel einige Zeit im Gehege verbringt, freut er sich, wenn es ein bisschen Abwechslung bietet. Einige Gräser, ein paar Blätter oder Äste sind da sehr willkommen.

Um den Kleinen zu beschäftigen, kann man ihm das Futter etwas verstecken oder z.B. die Soldatenfliegenlarven im Gehege verstreuen. Auch Hühnerflügel oder getrocknetes Fleisch bietet eine tolle Abwechslung, da der Igel sich die Nahrung erarbeiten muss.

Das Schlafhaus sollte im Schlafbereich eine Größe von mindestens 30 cm x 30 cm haben. Dieser Schlafbereich sollte einen Labyrintheingang haben, um auch hier vor der Witterung zu schützen. Etwas Stroh in das Haus legen und einen Haufen Stroh neben das Haus legen. Der Igel richtet sich gerne selber ein.

Gefüttert wird der Igel mit Katzennass- und trockenfutter mit einem Fleischanteil über 65% und das Nassfutter ohne Gelee oder Soße. Da es sehr proteinreich ist, sind getrocknete Soldatenfliegenlarven/Mehlwürmer im Verhältnis 5:1 ein Garant, dass der kleine Igel schnell genug Gewicht bekommt, um einen erholsamen Winterschlaf zu haben. Damit er alle Nährstoffe bekommt, die er braucht, kann man hin und wieder gebratenes Rinderhackfleisch, gekochte Hühnerflügel, gekochtes Hühnerherz oder Rührei anbieten.

Während der Igel schläft, kann man hin und wieder die Kothäufchen im Gehege entfernen. Das Schlafhaus bleibt die gesamte Zeit unangetastet. Der Igel beschmutzt es nicht und kümmert sich selber um Ordnung in seinem Haus! Im zweiten Schritt öffnet man nach 7 Tagen die Gehegetür und der Igel kann entscheiden, ob er raus möchte (was bisher immer der Fall war) oder nicht. Zumindest weiß er nach dieser Zeit, wo er einen Schlafplatz und Nahrung findet. Daher lassen wir die ersten Tage alles wie es ist.Nach ein paar Tagen kann man das Gehege abbauen. Dann kann man, wenn es praktischer ist, das Schlafhaus und/oder die Futterstelle an eine andere Stelle im Garten umziehen, indem man diese jeden Tag ein paar Meter in die gewünschte Richtung bewegt. Beim Futterplatz kann man in der Regel flotter vorgehen, da der Igel sehr gut riecht und seine Nahrung finden wird.

Im Gegensatz zum Auswildern bleibt beim gesicherten Winterschlaf die Gehegetür geschlossen, bis der Igel im März oder April erwacht. Wird Ihr Igel in diesem Zeitraum nicht wach, kontaktieren Sie uns bitte. Läuft der Igel im Gehege herum, wird er eingesammelt und zu uns zum Frühlings CheckUp gebracht. Das weitere Vorgehen besprechen wir dann gerne mit Ihnen persönlich.